FOSDEM 2008

Dieses Jahr war bereits meine vierte FOSDEM. Wie jedes Jahr fand das Free and Open Source Developers European Meeting auf dem Gelände der Université Libre de Bruxelles statt - und endlich einmal hat das Wetter mitgespielt, und man konnte sich auch außerhalb des Uni-Gebäudes aufhalten und mitunter sogar in der Sonne sitzen.

Wie immer fingen die Keynotes mit erheblicher Verspätung an, dafür folgten sie dann unterbrechungsfrei aufeinander. Das war nicht so ganz nach meinem Geschmack. Die erste Keynote über die Nutzung von Linux bei der Filmproduktion war zwar interessant, aber schwer anzuhören. Die zweite über das FreeBSD-Projekt war beeindruckend. Auch wenn ich Linux vorziehe, bin ich doch froh, dass mit den BSDs freie Alternativen existieren und diese offensichtlich auch weiterhin gut gedeihen.

Trotz dem gelungenen Vortrag brauchte ich danach einfach eine Pause und einen Kaffee. Außerdem gab es draußen belgische Pommes! Somit habe ich den Vortrag zum aktuellen Stand der Patent-Debatte verpasst, obwohl er mich von den Keynotes eigentlich am meisten interessiert hätte.

Das Wichtigste an der FOSDEM sind allerdings die Developer-Tracks. Bei meinen vorherigen FOSDEM-Besuchen hatte ich hauptsächlich die Tracks zu den freien Java-Implementierungen (2007 war dann auch SUN mit Vertretern des OpenJDK-Teams erstmalig mit dabei) besucht, doch diesmal standen für mich andere Themen an. Meine Themenschwerpunkte lagen auf den PostgreSQL- und OpenOffice-Vorträgen. PostgreSQL entwickelt sich in einem erfreulichen Tempo und in eine gute Richtung und wird sicher weiter an Bedeutung gewinnen.

Beim Vergleich der Vorträge des PostgreSQL- und des OpenOffice-Teams hatte ich den Eindruck, dass es den Postgres-Vortragenden eher gelang, neue Leute anzusprechen, als dem OpenOffice-Team. Aber letztere haben es mit ihrer Code-Basis auch sicher schwerer. Deutlich ist das Bemühen erkennbar, OpenOffice stärker zu modularisieren und die Einstiegshürde für Neue abzusenken. Die Extensions sind hier ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bis auch die Entwicklung am OO.o-Kern oder den einzelnen Anwendungen attraktiv wird, bleibt jedoch noch viel zu tun. Das OO.o-Team jedenfalls wirbt intensiv um neue Entwickler oder andere Projektbeteiligte und ist dabei, die derzeit existierenden Hürden für den Einstieg ins Projekt abzusenken. OpenOffice 3.0 wird hierbei ein weiterer wichtiger Meilenstein sein.

Fast schon eine Tradition ist mein Besuch von Robert Kaisers (a.k.a. KaiRo) Vortrag über den jeweils aktuellen Stand der Seamonkey-Entwicklung. Seamonkey ist der aus der Mozilla-Suite hervorgegangene Browser in seiner aktuellen Version. Er wird fleißig weiter entwickelt, und die Neuerungen für die Version sehen vielversprechend aus.

Für mich als schwerpunktmäßiger Webentwickler war Rogan Dawes' Vortrag über WebScarab NG besonders interessant. WebScarab ist etwas vereinfacht ein Tool zum Abfangen von Browser-Requests und Server-Antworten, um diese manipulieren zu können. Damit ist es somit zur Durchführung von Penetration-Tests geeignet. Diverse Plugins unterstützen einen dabei. Ein Tool, über das ich hier im Blog sicher noch ausführlicher schreiben werde.

Wie immer gibt es zwischendrin Lücken und dann wieder mehrere interessante Vorträge auf einmal. So habe ich leider den Globulation-Vortrag und den Beitrag "Hacking OpenOffice.org" nicht hören können.

Die FOSDEM war auch 2008 wieder den Besuch wert, und so werde ich nächstes Jahr sicher wieder dabei sein. Und das belgische Bier und die kulinarische Vielfalt Brüssels bilden zudem eine gute Grundlage für den abendlichen Ausgleich ;-)



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